Willkommen in der Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Pertlstein. Seit unserer Gründung im Jahr 1894 blicken wir auf eine ereignisreiche Historie zurück, die von gelebter Kameradschaft, technischem Fortschritt und dem unermüdlichen Einsatz für unsere Gemeinschaft geprägt ist. Diese Geschichte ist untrennbar mit den Menschen verbunden, die das Fundament unserer Wehr bilden. Während das Gründungskomitee damals sieben Mitglieder umfasste und ein historisches Mannschaftsfoto bereits 46 engagierte Personen im Gründungsjahr zeigt, hat sich diese Gemeinschaft über die Jahrzehnte zu einer starken Säule der regionalen Sicherheit entwickelt.
Mit Stand vom 25. Jänner 2026 wird diese Tradition von insgesamt 81 Mitgliedern fortgeführt, die sich mit Stolz dem Dienst am Nächsten verschreiben. Unsere Zukunft wird dabei von 8 Jugendlichen in der Feuerwehrjugend gestaltet, während 54 Kameradinnen und Kameraden im Aktivstand den täglichen Einsatzdienst leisten und 19 Mitglieder im Reservestand ihre langjährige Erfahrung einbringen. Die heutige Mannschaft, bestehend aus 17 Frauen und 64 Männern, wird zudem von einer starken Gemeinschaft aus 124 unterstützenden Mitgliedern getragen. Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Meilensteine dieser Entwicklung – von den ersten Anfängen bis hin zur modernen Einsatzorganisation von heute – chronologisch aufbereitet und kompakt zusammengefasst.
Die Chronik
1894 – Die Geburtsstunde der Kameradschaft
In einer Zeit, in der die gegenseitige Hilfe überlebenswichtig war, schlossen sich zahlreiche Männer der Gemeinde zusammen, um in Not geratenen Mitmenschen beizustehen. Dies war die Geburtsstunde der Freiwilligen Feuerwehr Pertlstein. Da schriftliche Aufzeichnungen über die Gründung wohl während des Zweiten Weltkrieges ebenso zerstört wurden wie zahlreiche andere Kulturgüter, stützen sich diese Details auf intensive Recherchen. Demnach bestand das Gründungskomitee aus dem Gemeindevorsteher Michl Zach sowie Franz Zach, Andreas Kniely, Franz Seinix, Josef Klement, Johann Unger und Andrä Zach.
1902 – Ein festes Zuhause an der Bundesstraße
Das erste Rüsthaus wurde an der damaligen B57, der Güssinger Bundesstraße, errichtet. An dieser Stelle befindet sich heute das Haus der Familie Obenauf. Das damalige Feuerwehrhaus war zweckmäßig ausgestattet und bestand aus einem Abstellplatz für ein Pumpfahrzeug sowie einem markanten hölzernen Schlauchturm.
1922 – Mechanisierung mit Muskelkraft
In diesem Jahr wurde ein bedeutender Meilenstein in der technischen Ausrüstung erreicht, als die erste Feuerwehrspritze mit Handbetrieb angeschafft wurde. Da motorisierte Fahrzeuge noch fehlten, diente ein klassisches Pferdegespann als notwendiges Zugfahrzeug für die Spritze.
1928 – Ein Spektakel für die Gemeinschaft
Die Feuerwehr bewies ihren hohen Stellenwert im gesellschaftlichen Leben als Veranstalter eines großen Blochziehens. Diese für die damalige Zeit gewaltige Veranstaltung fand nicht nur bei der Pertlsteiner Bevölkerung, sondern weit über die Gemeindegrenzen hinaus großen Anklang. Das Spektakel begann am frühen Morgen bei der Lugitsch-Mühle und fand erst spätabends beim Gasthaus Zach sein Ende.
1929 – Der Einzug des technischen Fortschritts
Der technologische Wandel hielt endgültig Einzug in die Wehr, als die erste Motorspritze angekauft wurde. Die feierliche Segnung dieser für damalige Verhältnisse sensationellen Anschaffung lockte rund 500 Feuerwehrmänner aus den umliegenden Dörfern und Städten nach Pertlstein.
1934 – Vier Jahrzehnte im Dienst am Nächsten
Die Freiwillige Feuerwehr Pertlstein blickte stolz auf ihre bisherige Geschichte zurück und feierte ein fulminantes Fest anlässlich ihres 40-jährigen Bestandsjubiläums.
1946 – Mut zum Neuanfang aus den Ruinen
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs blieben Wut, Trauer und Zerstörung zurück. Wie so viele Kulturgüter wurde auch das Rüsthaus der FF Pertlstein ein Raub des Krieges, wobei sämtliche Aufzeichnungen unwiederbringlich verloren gingen. Getragen von der Hoffnung auf einen Neuanfang bauten die Mitglieder das Feuerwehrhaus in gemeinsamer Anstrengung wieder auf.
1948 – Ein Meilenstein für die Mobilität
Mit dem Ankauf des ersten Mannschaftstransportwagens wurde das Zeitalter der Motorisierung bei der Freiwilligen Feuerwehr Pertlstein offiziell eingeleitet. Bei dem Fahrzeug handelte es sich um einen Ford Canada. Dieser Schritt markierte einen entscheidenden Wendepunkt für die Wehr, da die Einsatzkräfte nun wesentlich schneller und effizienter zu den Einsatzorten gelangen konnten.
1949 – Struktur, Disziplin und neue Technik
Unter der Führung von Hauptmann Rudolf Lugitsch II. und dem Schriftführer Franz Sapper begannen ab diesem Jahr sehr genaue Aufzeichnungen über die Tätigkeiten der Wehr. Anhand der Beitragsbestätigungen konnte die Mitgliederzahl auf 26 festgesetzt werden. Es war ein entscheidendes Jahr, in dem neben repräsentativen Ausgehuniformen auch eine tragbare Motorspritze vom Typ RW80 samt Anhänger gekauft wurde. Diese Pumpe leistete über viele Jahrzehnte gute Dienste, trieb jedoch auch so manchen Maschinisten an den Rand der Verzweiflung, bis sie schließlich Jahre später durch die Vorbaupumpe am Land Rover abgelöst wurde.
1950 – Fest verwurzelt in der Landwirtschaft
Eine erhaltene Mitgliederliste aus diesem Jahr führt insgesamt 59 Männer als Mitglieder auf, wobei bemerkenswerterweise alle von Beruf Landwirte waren. Unter ihnen befanden sich mit Eduard Gutmann und Peter Hermann noch zwei aktive Gründungsmitglieder. Das damalige Inventar umfasste ein Fahrzeug und 45 Ausrüstungsgegenstände – ein interessanter Kontrast zum Stand vom 1. Jänner 2024, an dem die Wehr 80 Mitglieder, 3 Fahrzeuge, eine Zille, 2 Anhänger und rund 300 Ausrüstungsgegenstände zählt.
1951 – Versorgungslage und Zukunftspläne
Die schwierigen Bedingungen der Nachkriegszeit zeigten sich darin, dass Treibstoff für das Einsatzfahrzeug mühsam mittels Benzinmarken bezahlt werden musste. Gleichzeitig begann man in diesem Jahr bereits intensiv nach einer neuen Lösung für das in die Jahre gekommene Einsatzfahrzeug zu suchen.
1952 – Ein neues Fahrzeug für die Mobilität
Das alte Feuerwehrfahrzeug der Marke Fordson wurde an die Firma Uitz in Feldbach verkauft. Im Gegenzug erwarb die Freiwillige Feuerwehr Pertlstein für einen Betrag von 10.000 Schilling einen gebrauchten Lastkraftwagen des Herstellers Ford, um die Einsatzbereitschaft zu erhöhen.
1960 – Ein Meilenstein am heutigen Standort
An der Adresse Pertlstein 137 erfolgte die feierliche Eröffnung und Segnung des neuen Rüst- und Gemeindehauses. In diesem würdigen Rahmen wurde zudem der Bezirksfeuerwehrtag abgehalten. Bis zum heutigen Tag ist die Feuerwehr an diesem traditionsreichen Standort beheimatet.
1965 – Die Ära des legendären Land Rovers
Ein Fahrzeugkauf prägte die kommenden Jahrzehnte: Der alte Ford wurde durch ein Kleinlöschfahrzeug der Marke Land Rover mit Vorbaupumpe ersetzt. Dieses robuste Einsatzfahrzeug sollte der Feuerwehr über einen Zeitraum von mehr als 40 Jahren bis 2008 treue Dienste leisten.
1970 – Schlagkraft durch moderne Anhänger
Um die Ausrüstung effizienter zum Einsatzort zu bringen, wurde ein neuer Tragkraftspritzenanhänger angekauft und in Dienst gestellt. Als zuverlässiges Zugfahrzeug fungierte dabei weiterhin das Kleinlöschfahrzeug Land Rover.
1972 – Die Geburtsstunde des Funkwesens
Die Kommunikation erreichte ein neues Niveau, als das erste Funksprechgerät angekauft und in den Land Rover eingebaut wurde. Während Funkgeräte heute mit festverbauten Mobilfunkstationen und Handgeräten aus der Einsatzabwicklung nicht mehr wegzudenken sind, war dies damals der erste Schritt in die vernetzte Moderne.
1973 – Sicherheit für die Einsatzkräfte
Mit dem Ankauf der ersten drei Atemschutzgeräte wurde der Weg zur modernen Brandbekämpfung endgültig geebnet. Dies stellte einen wesentlichen Schritt zur Steigerung der Schlagkraft und vor allem zur Sicherheit der Kameraden der Feuerwehr Pertlstein dar.
1984 – Renovierung zum 90. Jubiläum
Das Rüsthaus wurde umfassend renoviert und um eine zusätzliche Garage erweitert, um den steigenden Anforderungen Platz zu bieten. Gleichzeitig feierte die Wehr im würdigen Rahmen ihr 90-jähriges Bestandsjubiläum.
1986 – Ein neuer Höhepunkt mit dem TLFA-2000
In diesem Jahr wurde das Tanklöschfahrzeug mit Allrad und einem Fassungsvermögen von 2000 Litern Löschwasser, kurz TLFA-2000, angekauft. Dies markierte einen weiteren absoluten Höhepunkt in der technischen Geschichte der Feuerwehr.
1994 – Umfassende Modernisierung zum Jahrhundertfest
Der alte VW Bus wurde gegen ein modernes Mannschaftstransportfahrzeug der Marke Toyota ausgetauscht. Parallel dazu wurden die EDV-Anlagen sowie die Funkanlagen erneuert, was einer kompletten Modernisierung der gesamten Feuerwehrstruktur gleichkam.
1998 – Jugend, Tradition und digitale Welt
Die Feuerwehr öffnete sich für die nächste Generation und nahm das erste Mädchen in die Feuerwehrjugend auf. Zudem wurde ein neuer Anhänger der Marke Pongratz für die Jugendarbeit angeschafft. Ein weiterer Meilenstein war der Start in das Internetzeitalter: Nachdem der Landesfeuerwehrverband die ersten E-Mail-Adressen eingerichtet hatte, wurde Ende 1998 die erste Website der FF Pertlstein veröffentlicht.
2000 – Bauen für das neue Jahrtausend
Mit dem offiziellen Beginn der Umbauarbeiten am Feuerwehrhaus wurden die Weichen für ein modernes und funktionales Heim der Kameradschaft gestellt.
2003 – Eine neue Präsenz im Netz
Die offizielle erste Website der Freiwilligen Feuerwehr Pertlstein wurde im Internet veröffentlicht und bot der Bevölkerung fortan einen Einblick in das Einsatzgeschehen und das Vereinsleben.
2004 – 110 Jahre und ein neues Einsatzzentrum
Das 110-jährige Jubiläum wurde zum Anlass genommen, das nunmehr fertiggestellte Rüsthaus, das fortan als modernes Einsatzzentrum diente, großangelegt zu eröffnen und zu segnen.
2005 – Einsatzbereitschaft zu Wasser
Der Fuhrpark wurde um ein Wasserfahrzeug erweitert. Mit dem Erwerb der Feuerwehrzille wurde die Freiwillige Feuerwehr Pertlstein offiziell zum Wasserdienststützpunkt ernannt und übernahm damit neue wichtige Aufgaben.
2006 – Schutz gegen die Unwettereinsätze
Als direkte Reaktion auf die steigende Zahl von Unwettereinsätzen wurde die Ausrüstung massiv verstärkt. Es erfolgte die Anschaffung von 1.000 neuen Sandsäcken, um für Hochwasserereignisse bestmöglich gerüstet zu sein.
2008 – Generationenwechsel im Fuhrpark
Am 18. Mai wurde das neue Kleinlöschfahrzeug mit Allradantrieb feierlich gesegnet und in Dienst gestellt. Der treue Land Rover wurde nach weit über 40 Dienstjahren außer Dienst gestellt und verkauft. Zusätzlich verstärkte eine neue Schlammpumpe des Typs Chiemsee aus einem bezirksweiten Ankauf die technische Ausrüstung.
2012 – Flexibilität zu Wasser und im Netz
Der Fuhrpark wurde um einen Bootsanhänger zum Transport der Feuerwehrzille erweitert, was den Einsatz des Wasserfahrzeugs massiv vereinfachte. Die Zille ist seither nicht mehr fest an die Slipstelle an der Raab gebunden, sondern kann bei jedem Einsatz – auch überörtlich – direkt dort zu Wasser gebracht werden, wo sie gerade erforderlich ist. Weiters markierte dieses Jahr den Beginn der Präsenz in den sozialen Medien. Was mit Facebook begann, hat sich über die Jahre stetig weiterentwickelt, sodass die Wehr heute neben Facebook auch auf Plattformen wie Instagram oder der Cities-App aktiv vertreten ist und dort Einblicke in ihre Arbeit gewährt.
2014 – 120 Jahre Tradition und ein neues TLFA
Das 120-jährige Bestandsjubiläum wurde im Mai feierlich begangen. Im Zuge der Feierlichkeiten wurde das neue TLFA-2000 der Firma MAN mit einem Aufbau von Rosenbauer gesegnet und offiziell als Ersatz für das alte Tanklöschfahrzeug in Dienst gestellt.
2017 – Ein Festtag für moderne Technik
Im feierlichen Rahmen der Patroziniumsmesse in der Burgkirche Pertlstein wurde ein neues Mannschaftstransportfahrzeug als Ersatz für das mittlerweile 22 Jahre alte MTF offiziell in Dienst gestellt. Gemeinsam mit der Fahrzeugsegnung wurde ein weiterer technischer Meilenstein gefeiert: Die Anschaffung der ersten Wärmebildkamera für die Freiwillige Feuerwehr Pertlstein, die seither die Sicherheit und Effizienz der Kameraden bei Brandeinsätzen und Personensuchen maßgeblich unterstützt.
2019 – Abschluss der Modernisierungswelle
Nach 15 Jahren im Einsatz wurde die alte Feuerwehrzille durch ein neues Modell ersetzt. Damit galt die umfassende Modernisierung der Wehr vorerst als vollendet und die Einsatzfähigkeit zu Wasser war wieder für viele Jahre gesichert.
2021 – Sicherheit für die Atemschutzträger
Da die alten Atemschutzgeräte nach 30 Jahren keine Freigabe mehr für die weitere Verwendung erhielten, investierte die Wehr im Frühjahr in drei hochmoderne Atemschutzgeräte der Firma Dräger, um den Schutz der Kameraden im Brandeinsatz zu garantieren.
2023 – Stützpunkt für den Waldbrandzug
Die Freiwillige Feuerwehr Pertlstein wurde zum Waldbrandstützpunkt des BFV Feldbach ernannt. Gemeinsam mit den Wehren des Abschnittes 2 wurde ein Waldbrandzug gebildet, wobei die speziellen Rollcontainer mit der Waldbrandausrüstung des Landesfeuerwehrverbandes nun dauerhaft in Pertlstein stationiert sind.
2024 – Logistik und Infrastruktur im Fokus
Das Jahr 2024 stand im Zeichen wichtiger Investitionen: Neben der Indienststellung eines neuen Transportanhängers mit 2.000 kg Gesamtgewicht wurde in der Raabtalhalle ein zentraler Lagerraum für Spezialgeräte geschaffen. Im Rüsthaus ermöglichte eine räumliche Umgestaltung die Errichtung moderner Umkleiden mit Geschlechtertrennung. Dieser Umbau steigert zudem die Sicherheit im Einsatzfall deutlich, da der Personenverkehr nun konsequent vom ausfahrenden Fahrzeugverkehr getrennt ist.
Feuerwehrsenioren erinnern sich…
Winterdienst durch die Feuerwehr
Bereits ab den 1960er Jahren wurde der Winterdienst in der Gemeinde Pertlstein mangels anderer Fahrzeuge durch die Feuerwehr sichergestellt. In einem offenen, rechtsgesteuerten „Ford Canada“ führten Kameraden wie Franz Zotter und Josef Laller den Dienst ehrenamtlich mit einem handverstellbaren Schneepflug durch.
Die Einsätze waren aufgrund widriger Bedingungen und technischer Einschränkungen – der Pflug verdeckte oft die Scheinwerfer – äußerst herausfordernd. Mehrfach mussten Schneeketten in privater Werkstattarbeit repariert werden. Bei starkem Schneefall diente die eingebaute Seilwinde oft zur notwendigen Selbstbergung aus dem Straßengraben.
Bewerbsfahrten mit dem Land Rover
Im Jahr 1970 feierte die Bewerbsgruppe der FF Pertlstein große Erfolge. Nach einem 6. Platz beim Landeswettbewerb in Bruck an der Mur qualifizierte man sich für den Bundeswettbewerb in Freistadt. Hürden gab es vorab bei der Dienstfreistellung von Kameraden, die zu diesem Zeitpunkt beim Bundesheer stationiert waren, was jedoch durch Intervention des Landesfeuerwehrkommandanten gelöst werden konnte.
Die neunstündige Anreise nach Oberösterreich erfolgte in einem Land Rover ohne synchronisiertes Getriebe. Trotz der Strapazen und einer kurzen Nacht in privaten Quartieren erreichte die Gruppe in Freistadt den hervorragenden 14. Platz in Silber.
























